Videos über EUTB (mit Gebärdensprache und Untertitel)

4 Videos:


EUTB in Gebärdensprache bayernweit - Teil 1: Einführung

Teil 1:

In Deutschland leben laut Statistischen Bundesamt (Stand: Jahr 2018) 7,8 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung. Als schwerbehindert gelten Menschen, denen von den Versorgungsämtern ein Behinderungsgrad von 50 und mehr zuerkannt wurde.

Darunter leben laut ZBFS (Zentrum Bayern Familie und Soziales) 8.929 taube Menschen (Stand 2016) in Bayern. Viele Menschen mit Behinderung fühlen sich nicht richtig beraten und/oder von der Teilhabe im gesellschaftlichen und beruflichen Leben ausgegrenzt bzw. benachteiligt.

In Übereinstimmung mit der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen wurden mit dem Bundesteilhabegesetz in § 32 Sozialgesetzbuch 9 die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Angebot zur Beratung über Leistungen zur Rehabilitation und Teilhabe geschaffen – nämlich die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (kurz EUTB). Deshalb wird die EUTB seit Januar 2018 in ganz Deutschland aufgebaut und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert.

Der Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. bietet seit 2018 die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung bayernweit an und ist somit Träger der EUTB in Gebärdensprache. Damit ein flächendeckendes Beratungsangebot in Deutscher Gebärdensprache angeboten werden kann, wurden Beratungsstellen für Nordbayern, Mittelbayern und Südbayern aufgebaut.


EUTB in Gebärdensprache bayernweit - Teil 2: Was bedeutet EUTB ?

Teil 2:

Was genau bedeutet EUTB?

Die Beratung wird im Sinne von Peer Counseling geführt. Das heißt, Betroffene beraten Betroffene auf Augenhöhe. Der Vorteil darin ist, dass die Berater*innen selbst taub sind und die Probleme der Ratsuchenden durch die eigene Lebenserfahrung kennen und einen authentischen Austausch anbieten können. Die Berater*innen verfügen über eine fachliche Qualifizierung und sind gebärdensprachkompetent.

E U T B: jeder Buchstabe hat eine Bedeutung:

E steht für ergänzend: sie soll ergänzend und nicht in Konkurrenz zur gesetzlichen Beratungs- und Unterstützungspflicht der Rehabilitationsträger und anderen Angeboten zur Verfügung stehen. Rehabilitationsträger sind z.B. Agentur für Arbeit, Rentenversicherung, Sozialamt usw. Andere Angebote sind z.B. Integrationsfachdienste, Sozialberatung, Pflegeberatung usw.

U steht für unabhängig: unabhängig von Leistungsträgern und Leistungserbringern. Das bedeutet: nicht gebunden an Vorgaben der Kostenträger wie Agentur für Arbeit, Krankenkasse usw. und auch nicht an Leistungsanbietern wie Caritas, Diakonie, Lebenshilfe usw. Die EUTB ist auch nicht fachlich an den Träger, also den Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V., gebunden. Die Berater*innen sind nur den Ratsuchenden verpflichtet.

T steht für Teilhabe: das Ziel ist eine gleichberechtigte Teilhabe in allen Lebensbereichen. Die EUTB bietet Unterstützung dabei, den Weg durch den Behördendschungel zu finden und eine gemeinsame, individuelle Suche nach einer guten Lösungsmöglichkeit, aber auch im Umgang mit Diskriminierungserfahrungen. Als taube Berater*innen können sie diese Erfahrungen authentisch bestätigen. Zu den Hauptaufgaben der EUTB gehört, den Empowerment-Prozess anzustoßen. Empowerment bedeutet übersetzt „Selbstermächtigung“, „die Menschen stärken“. Mit Empowerment soll also die Selbstbestimmung gefördert werden, um unabhängig von anderen Personen die eigene Lebensführung im Alltag und Beruf selbst zu bestimmen und umzusetzen.

B steht für Beratung: das Prinzip der EUTB ist: Beratung auf Augenhöhe. Durch die Peer-Beratung soll sichergestellt werden, dass die Situation des Ratsuchenden nachvollzogen werden kann. Das bedeutet also Taube beraten Taube. Das Beratungsangebot ist niedrigschwellig, d.h. schnell und einfach zu erreichen: Sie müssen keine Voraussetzungen wie Beitragspflicht, Mitgliedschaft oder Schwerbehindertenausweis erfüllen. Die Beratungsräume sind barrierefrei zugänglich. Sie können die Berater*innen persönlich, per Webcam, Chat und per Mail kontaktieren. Sie unterstehen der Schweigepflicht - auch gegenüber dem Träger. Es werden von Ihnen gegenüber dem Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V. keine Daten, Inhalte oder Ähnliches erhoben.

Weitere Informationen und Kontaktdaten der Berater*innen finden Sie online unter www.eutb.lvby.de


EUTB in Gebärdensprache bayernweit - Teil 3: Beispiele und Zusammenfassung

Teil 3:

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung in Gebärdensprache berät Sie kostenlos bei allen Fragen zur Teilhabe zum Beispiel:

„Welche verschiedenen Möglichkeiten zur Unterstützung meiner Teilhabe gibt es? z.B.: inklusive Beschulung, barrierefreies Studium und vieles mehr.

„Wie kann ich meinen Wunsch nach selbstbestimmtem Wohnen verwirklichen?“

„Wie lässt sich für meine Freizeit mehr aktive Teilhabe gewinnen?“

„Wie kann ich unabhängiger von den Hilfen einer Eltern/Familie/Freunde werden?“

„Wer/welcher Kostenträger ist zuständig? z.B.: für Gebärdensprachdolmetscher, Kostenübernahme für Hausgebärdensprachkurs, Mobilitätshilfe usw.

„Wie könnte mein individueller Teilhabeplan aussehen?“

„Wo finde ich weitere Anlaufstellen für spezielle Fragen?“

und noch vieles mehr…!

Kurz zusammengefasst: das Ziel ist, eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu ermöglichen sowie Menschen mit Behinderungen gegenüber dem Kostenträger und Leistungsanbieter zu stärken. Menschen mit Behinderungen sollen selbst über wichtige Sachen entscheiden. Denn es geht um ihr eigenes Leben. Auch sollen alle Menschen alle Sachen mitmachen können. Niemand soll ausgeschlossen sein.


Film von Teilhabeberatung.de über EUTB